Im letzten Jahr haben wir als Schulgemeinde des AMG am Aschermittwoch die „Fastenzeit“ in St. Cornelius begonnen und das Aschenkreuz bzw. die „Auflegung der Asche“ empfangen können. In diesem Jahr sind wir als Schulgemeinde am Aschermittwoch wohl zuhause. Aber auch in dieser Zeit der Pandemie beginnen die Christen den Weg auf Ostern hin. Wir Christen glauben, dass durch den Eintritt Gottes in diese Welt, auf unsere Erde, die Menschen zu jeder Zeit sich durch Gottes Nähe aufgehoben wissen können. Dies ist eine große Zuversicht, die uns innerlich stärken kann.

Dennoch bleibt die Frage: Warum heute fasten? Noch dazu in einer Zeit, die so stark von Verzicht und Einschränkungen geprägt ist, dass man sagen könnte, dass wir seit dem ersten Lockdown vor knapp einem Jahr schon in einer Fastenzeit sind? Warum also am Aschermittwoch ganz offiziell solch eine Phase einläuten? Wie sinnvoll kann das sein?

Christen kennen schon ganz lange die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Das Vorbild dafür ist Jesus selbst. Die Evangelien erzählen davon, wie Jesus 40 Tage in der Wüste verbrachte, bevor er in die Öffentlichkeit ging. (Die Zahl 40 ist voller Andeutungen: 40 Jahre zog Gottes Volk Israel umher, bis es ins Land Israel kam. 40 Tage war Mose mit Gott auf dem Berg Sinai. Biblisch gedacht, dauern besondere Zeiten eben 40 Tage oder Jahre.)

So gesehen bedeutet Fastenzeit eben nicht (nur) Verzicht, sondern vor allem Vorbereitung! In das zentrale Fest der Christenheit sollen die Menschen nicht einfach nur „hineinstolpern“. Wir sollen bewusst und gut vorbereitet dort ankommen und Ostern feiern können.

Wenn wir uns Fastenzeit als Zeit der Vorbereitung vorstellen, dann ändert sich etwas Wesentliches: Dann geht es plötzlich nicht mehr um „weniger“, sondern um „mehr“! Wenn wir uns auf etwas vorbereiten, ist das fast immer mit „mehr“ verbunden und ganz selten mit „weniger“: Für einen Wettkampf wird mehr trainiert. Für einen Test wird (meistens) mehr gelernt. Für ein Fest wird mehr eingekauft, gekocht und dekoriert… Vorbereitungszeit ist eine aktive Zeit.

Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern ist also eine aktive Zeit. Wie könnten diese Fastenzeit-Aktivitäten aussehen? Eine Anregung: wenn wir neben das Wort „mehr“ noch ein anderes Wort einfügen: „anders“ Fastenzeit will keinen wilden Aktionismus. Die Vorbereitung auf das Osterfest soll zielgerichtet sein. Der einzelne Mensch soll sich vorbereiten, „ich“ soll gut gerüstet Ostern feiern können. Das kann gut funktionieren, wenn ich mir bewusst vornehme, einmal etwas anders zu machen: Anders mit Menschen reden. Anders auf Probleme und Schwierigkeiten reagieren. Anders mit Kritik umgehen…

Diese Idee hat auch das Hilfswerk Misereor aufgegriffen. Die Fastenaktion 2021* steht unter dem Motto: „Es geht! Anders.“ Die Aktion will darauf aufmerksam machen, „was wirklich zählt im Leben“. Das Motto ist dabei Aufforderung und Ansporn zugleich: Etwas anders machen lohnt sich und ist auch machbar!

Für Ihre und eure „Anders-Aktionen“ wünschen Zuversicht und gutes Gelingen und eine gesegnete Fastenzeit 2021!

Josef Bomanns, Schulseelsorger

Ursula Deggerich, Schulleiterin

* Informationen und Material dazu unter: https://fastenaktion.misereor.de/fastenaktion