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Besuch der Partnerschule in Israel 2017

Voller Vorfreude, aber auch Nervosität, trafen wir uns am Schultor und warteten gemeinsam auf unseren Reisebus. Nach dem Einladen des Gepäcks, wussten wir, dass es kein Zurück mehr gibt, in sechs Stunden würden wir im Flugzeug gen Israel sitzen, eines der, wie ich nun beurteilen kann, interessantesten Länder der Erde. In Frankfurt angekommen, wurde uns schlagartig bewusst, wie ernst der Staat Israel die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus nimmt. Sprengstoffspürhunde und Polizisten durchkämmten die Check-In Schalter EL ALs, der staatlichen Fluglinie Israels, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter EL ALs ohne Gefahr arbeiten können. Es folgten ein Interview und verschiedenste Sicherheitschecks, dann war es geschafft.

Nach einem ruhigen 4-stündigen Flug betraten wir das erste Mal israelischen, historisch äußerst relevanten, Boden. Der klimatische Unterschied zu Deutschland wurde uns schnell deutlich, es gab keinen Tag, welcher die 25 Grad Marke unterschritt. Nach der problemlosen Gepäckabholung fanden wir uns am Shuttlebus, welcher uns nach Tel Aviv brachte, ein. In Tel Aviv angekommen, checkten wir in unser gemütliches Hostel ein. Eine kleine Gruppe aus starken Helfern, unter der Führung von Herrn Wojatzki, brach auf, um Lebensmittel fürs abendliche Kochen zu organisieren. Dann kam der erwartete Moment, „Shutdown“ in Tel Aviv, der Beginn Jom Kippurs, dem höchsten jüdischen Feiertag, welcher gleichzeitig Fasttag ist. An diesem speziellen Tag erlischt das öffentliche Leben, keine Autos auf den Straßen und geschlossene Läden so weit das Auge reicht. Wir nutzten diesen besonderen Moment, um die Stadt zu erkunden und eine andere Facette der Mittelmeermetropole Tel Aviv kennenzulernen. Nach dem gemeinsam zubereiteten Essen, ließen wir den Abend entspannt ausklingen.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Jitzchak Rabin Denkmal in Downtown Tel Aviv, welches genau an dem Ort erbaut wurde, wo Präsident Rabin am 5. November 1995 tödlich verwundet wurde. Herr Zellkes und Herr Wojatzki informierten uns über das bewegte Leben und den tragischen Tod Rabins. Nach diesem lehrreichen Ereignis begaben wir uns in Richtung Strand. Wir genossen die pralle Sonne.

Dann war es soweit, die lang ersehnte Busfahrt nach Pardesia zu unseren Austauschschülern begann. Nach der 30-minütigen Busfahrt konnten wir erstmals unsere Gastbrüder bzw. Gastschwestern in die Arme schließen. Eine Vertreterin der Stadt hieß uns willkommen und erläuterte das festgelegte Programm noch einmal. Nach diesem aufregenden und kräftezehrenden Tag, waren wir froh, als wir in unseren Gastfamilien ankamen. Mit freundlichen Gesten wurden wir direkt „in die Familie aufgenommen“ und schliefen deutlich geschafft, aber zufrieden, ein. Der Besuch der Schule, der Dror School, der größten jüdischen Schule Israels, stand am nächsten Morgen an. Dort wurde mir das erste Mal bewusst, wie entspannt die Israelis sind. 15 Minuten bevor der Schulbus kam, stand mein Austauschpartner seelenruhig auf, ohne Stress und Sorgen zu spät zu erscheinen. An solch kleinen Dingen erkennt man, wie verschieden die Auffassungen von Zeit und Pünktlichkeit im Vergleich zu Deutschland sind. Bei der Ankunft an der Schule waren wir überwältigt, 2600 Schülern, so viele fremde Gesichter, welche uns musterten und Fragen stellten. Die erste Hälfte des Tages erkundeten wir die Schule, nahmen am Tanz- und Theaterunterricht teil und aßen gemeinsam zu Mittag. Danach ging es erneut zum Strand, dieses Mal mit bewaffnetem Begleitschutz, da israelische Schulausflüge immer eine bewaffnete Begleitung als Aufsicht vorschreiben. Es wurden sportliche und kooperative Spiele durchgeführt, welche unsere Delegation noch enger zusammenschweißten. Zum Abschluss des Tages, ging es wieder nach Tel Aviv. Zusammen mit einem lokalen „Running club“ liefen wir die ein oder andere Runde über die Tartanbahn und verbrachten so einen sportlichen Nachmittag und Abend zusammen.

Nun begann der emotionalste Teil unserer Reise, der Besuch Yad Vashems stand an. Zusammen mit unseren Austauschschülern wurden wir über das Gelände und durch das Museum geführt. Dieser Ort ist nicht in Worte zu fassen. Jeder geht auf seine Weise mit der Trauer und der Verarbeitung dieses dunklen Kapitels der Weltgeschichte um. Wir waren alle zu tiefst bewegt.

Anschließend stand Jerusalem auf dem Plan, eine der bedeutendsten und imposantesten Stätten der Welt. Wir erkundeten: Machane Yehuda Market, die Grabeskirche, Basare und die pittoreske Altstadt, inklusive der Klagemauer, welche uns allen durch ihre Präsenz den Atem verschlug.

Nach der einzigartigen Erfahrung, Jerusalem, ging es in Richtung Judäische Wüste, vorbei an Jericho, zu unserer Unterkunft für die Nacht, einem Zeltplatz mitten in der Wüste, mit Blick auf das Tote Meer . Nach einer entspannten Nacht im Großraumzelt, machten wir uns am nächsten Morgen auf zur ehemaligen Prachtfestung Herodes: „Masada Mountain“. Masada ist ein riesiges Festungsgelände, auf einem einsamen Bergplateau, welches von König Herodes in Auftrag gegeben wurde. Unser charismatischer Tourguide führte uns durch die alten Festungsruinen und informierte uns über die bewegte Geschichte dieses einzigartigen Monuments. Den Tag ließen wir durch den Besuch des Toten Meers und des atemberaubenden Nationalparks „Ein Gedi“ ausklingen.

Der vorletzte Tag, das nächste religiöse Fest stand an: „Sukkot“, das Laubhüttenfest. Doch zuvor ging es mit der Delegation nach Haifa, der drittgrößten Stadt Israels. Wir flanierten durch den Schrein des Bab, eine riesige Anlage der Anhänger des Bahaitum und bewunderten jenen malerischen Ort der Ruhe. Abschließend besuchten wir Usufia, eine Siedlung der Glaubensgemeinschaft der Drusen, einem größtenteils autonomen Volk, welches sich trotzdem loyal dem Staat Israel gegenüber verhält. Ein einheimischer Guide führte uns durch die Stadt und brachte uns den Alltag der Drusen näher. Nach einer kleinen Shoppingtour und einem Mittagessen in Usufia ging es zurück in die Gastfamilien, wo wir das Sukkot Fest im Kreise der Familie vorbereiteten und anschließend feierten. Die gesamte Verwandtschaft bereitete bereits den ganzen Tag über gemeinsam tatkräftig Speisen für das abendliche Festmahl vor. Ein intimer Moment, doch man fühlte sich wie ein Teil der Großfamilie, man speiste, trank und lachte zusammen.

Den letzten Tag verbrachten wir zusammen mit unseren Partnern in den Familien. Einige Paare fuhren nach Tel Aviv, der Rest blieb zuhause, holte den ersehnten Schlaf nach und genoss den freien Tag mit dem Partner. Der traurigste Teil unseres Austauschs rückte immer näher: der Abschied. Auf der eigens für uns organisierten Abschiedsfeier, ließen wir das Erlebte noch einmal Revue passieren, aßen, grillten zusammen und lachten miteinander. Viele Tränen flossen als der Bus die Türen hinter uns schloss und sich in Gang setzte. Vollkommen verträumt und in Gedanken schwelgend, an diesen großartigen Austausch mit all den wundervollen Menschen, die wir in Israel kennenlernen durften, machten wir uns auf in Richtung Heimat …

 

für die deutsche Schülerdelegation
Alan Jansen