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Deutsch-israelisches Kunstprojekt

Alles fing damit an, als unsere Kunstlehrerin, Frau Hermes-Lohmann, zu Beginn einer Stunde zu uns in die letzte Reihe kam und fragte, ob wir schon einmal in Israel gewesen seien. Dort würde nämlich ein Kunstprojekt angeboten werden, für welches interessierte Schüler gesucht werden.

Nach anfänglicher Verblüffung und Unsicherheit sammelte sich schnell eine Gruppe von sechs Mädchen mit nicht nur Spaß an dem Fach Kunst, sondern auch großem Interesse durch eine Reise das Land Israel näher kennenzulernen.

Zu diesem Zeitpunkt war jedoch nur bekannt, dass es sich um ein Kunstprojekt in Israel handelt. Jede Woche berichtete uns unsere Lehrerin neue Details: Wir werden in Tel Aviv sein, nein, wir werden in Beduinen-Zelten in der Wüste Negev übernachten oder doch bei Gastfamilien in Haifa?

Schließlich stand es fest: Eine Woche Aufenthalt bei christlichen Familien in Haifa, einer Küstenstadt im Norden Israels.

Dann ging es endlich los und wir flogen von Köln über Istanbul nach Haifa. Begleitet hat unsere kleine Gruppe von sechs Mädchen, Frau Hermes-Lohmann und unser ehemaliger Schulleiter, Herr Strickling, außerdem die Big-Band des AMG, welche an einem Austausch mit Musikern an einer Schule in Tel Aviv teilnahmen.

Am Flughafen von Tel Aviv trennten sich die beiden Gruppen und wir wurden herzlich von Toni, dem Lehrer der Schule in Haifa, welcher das Projekt betreute, empfangen. Die letzte Reiseetappe von Tel Aviv nach Haifa ging schnell vorüber und eine Stunde später waren wir müde, aber glücklich in den Familien unserer Gastschüler, in meinem Falle der Familie Abu Bassar, untergebracht.

Für das Verständnis ist wichtig: Die Gastfamilien waren Araber und unterhielten sich auf arabisch, wobei sie auch hebräisch verstanden und in Haifa auch alles auf hebräisch ausgeschildert war. In der Schule hing die im Unterricht gesprochene Sprache vom jeweiligen Fach ab. Zudem gehörten die Familien, mit Ausnahme einer, einer christlichen Minderheit in Israel an.

Am folgenden Sonntag haben wir uns ganz entspannt gegen Mittag bei strahlendem Wetter zu einem gemeinsamen Frühstück getroffen. Danach wurden wir kurz durch Haifa geführt: Bemerkenswert ist, dass Haifa nicht nur das Meer, sondern auch Berge zu bieten hat, von denen man einen tollen Blick über die ganze Stadt hat. Nach einem Abstecher an den wunderschönen Strand von Haifa, trafen meine Gastschülerin Nardine und ich erst abends wieder auf die Truppe. In der Stadt feierte man an diesem Abend eine großes Spektakel anlässlich der beginnenden Weihnachtszeit, welches von einer großen Menge friedlich verfolgt wurde. Zur Krönung gab es ein großes Feuerwerk.

Nun startete unsere Woche erst richtig und wir begleiteten unsere Gastschüler zur Schule. Da es sich um eine katholische Schule der Custadia Terrae Sanctae handelt, beteten alle Schüler gemeinsam auf dem Pausenhof mit dem Franziskanermönchen und Schulleiter Pater Arturo, welcher uns kurz darauf willkommen hieß. Von nun an war Pater Arturo unser Schutzengel und Reiseleiter zugleich und begleitete uns auf allen Ausflügen. Am Montag stand der Besuch des Konzertes unserer Big Band und der israelischen Big Band, kombiniert mit traditionellem Gesang und Tanz, auf dem Programm. Wir bekamen so einen ersten tieferen Eindruck auch in die arabische Kultur des Landes.

 

Am nächsten Tag hörten wir uns das Konzert ein zweites Mal an, aber dieses Mal in Haifa.  Doppelt hält wahrscheinlich besser. Zudem war jedoch eine Musikgruppe aus dem Negev erstmalig vertreten. Am Abend trafen wir uns alle bei einer Gastfamilie, wo wir unglaublich gut von der Mutter bekocht wurden und auf einem der drei Balkone, mit Blick über die ganze Stadt, den Abend ausklingen ließen.

Am Mittwoch saßen wir zum ersten Mal mit im Unterricht und beobachten fasziniert, wie auf der Tafel von rechts nach links geschrieben wurde. Dann machten wir einen Ausflug nach Akko, nördlich von Haifa und wurden von Pater Arturo und Toni durch die Stadt geführt. Aufgrund des hohen muslimischen Bevölkerungsanteils gilt Akko als einer der orientalischsten Städte Israels. Nach einer spannenden Sightseeing Tour stärkte sich unsere Gruppe mit dem Nationalgericht Israels, der Falafel. Nun ging es für uns noch nördlicher, nämlich an die Grenze zum Libanon. Da Israel und der Libanon verfeindet sind, konnten wir leider nur unsere Arme durch das Grenztor strecken. Dafür entstanden tolle Fotos vor dem aufschäumenden Meer an der israelischen Küste. Zum Abschluss dieses Tages fuhren wir zu einem kleinen ausschließlich christlich bevölkerten Ort, dessen Zentrum eine griechisch-orthodoxe Kirche ist. Dort trafen wir zufälligerweise auf einen netten Mann, der an Austauschen mit Deutschland beteiligt ist und uns so in perfektem Deutsch mehr zur Geschichte der Gegend erzählte.

Nun war es schon der letzte Tag unserer Israel-Reise und wir begaben uns auf die Spuren Jesu. Zunächst fuhren wir durch die wunderschöne Landschaft Galiläas bis nach Nazareth. Nazareth gilt als Vaterstadt Jesu und ist vor allem für die Verkündigung des Herrn bekannt: Der Erzengel Gabriel verkündete hier Maria die Geburt des Erlösers Jesus. Wir besuchten zwei Kirchen, an deren Stellen die Verkündigung des Herrn stattgefunden haben soll, von denen die Verkündigungsbasilika die wohl bekannteste ist. Sie gilt als eine der größten heiligen Stätten im Mittleren Osten. Besonders interessant für uns als Künstlergruppe, waren die Mosaiken, zu denen viele Länder zur Gestaltung des Inneren und Äußeren der Kirche beigetragen haben. Anschließend ging es weiter zum See Genezareth, dem absoluten Höhepunkt unserer Reise. Die letzten Sonnenstrahlen tauchten den ganzen See in ein wunderschönes Licht und der Himmel erstrahlte in allen Farben. Zudem boten die Berge auf der jordanischen Seite des Sees einen tollen Anblick. Die Brotvermehrungskirche war unser erster Anhaltspunkt: Hier soll nach dem Matthäus-Evangelium die Brot- und Fischvermehrung stattgefunden haben. Dann fanden wir eine geeignete Stelle, um den See zu berühren. Die allgemeine Atmosphäre war sehr heilig und man konnte sich fast vorstellen, wie Jesus hier auf dem Wasser gelaufen ist. Zuletzt fuhren wir zum Berg der Seligpreisungen mit der Kirche der Seligpreisungen. Dies markiert nach christlicher Überlieferung den Ort der Bergpredigt Jesu an seine Jünger. Wir alle fanden, dass der Ausflug zum See Genezareth ein sehr guter Abschluss war und konnten uns fast nicht von der wunderschönen Kulisse fortreißen.

Am frühen Morgen des nächsten Tages machten wir uns auf die Heimreise nach Deutschland. Im Flughafen von Tel Aviv trafen wir auf die Gruppe der Big Band und nachdem wir alle die Kontrolle am Flughafen passiert hatten, stand einer guten und sicheren Heimfahrt nichts mehr im Wege.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fahrt nach Israel ein sehr interessantes und spannendes Erlebnis war. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt und sind der israelischen Kultur, insbesondere der arabisch-christlichen Kultur, ein großes Stück näher gekommen. Dies war besonders durch unseren Aufenthalt in den Gastfamilien möglich, die uns netterweise trotz gewisser Unsicherheit vor der Reise, bereitwillig aufgenommen haben. Obwohl das eigentliche Kunstprojekt in Israel nicht statt fand, haben wir es geschafft, durch Videos, Fotos und Berichte die Fahrt in anderer künstlerischer Art zu reflektieren. Jeder hat etwas Persönliches von der Reise mitgenommen und wir alle sind dankbar für die Möglichkeit, Israel besser kennen und verstehen gelernt zu haben.

[B. Burkhard-Meier, O2]