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Erasmus+ ist mehr als nur ein Austausch

Sonntags ging es los: Treffpunkt Hauptbahnhof Mönchengladbach, um 8.00 Uhr, RB 24 zum Flughafen Köln/Bonn. Dann sollte die Eurowings-Maschine dort um 12.15 Uhr nach Lissabon abheben.

Ein Sturmtief hatte sich mit Orkanböen auch angesagt und sollte laut Vorhersage am Nachmittag und Abend seinen Höhepunkt erreichen. Keine tollen Aussichten für unseren Flug. Was sich einstellte, war ein mulmiges Gefühl, bei Eltern, Schülern und Lehrern.

Wir hatten Glück: Die 12.15-Maschine EW-Boeing 737-800 hob einigermaßen pünktlich ab; wie wir später erfuhren, war es der letzte Eurowings-Flieger an diesem Sonntag; alle folgenden Flüge wurden wegen der Wetterwidrigkeiten gestrichen.

Wir hatten einen ruhigen Flug und landeten nach 2 ½ Stunden Flugzeit in der portugiesischen Hauptstadt.

Dort hatten wir ein Hotel für eine Nacht gebucht, eine Stadtrundfahrt geplant und für den Abend in einem schicken Restaurant einen Tisch zum Abendessen reserviert. Alles klappte hervorragend, mal abgesehen von der Suche nach dem Restaurant, das eigentlich nur 100m von unserem Hotel entfernt war, was wir zunächst aber nicht wussten.

In so kurzer Zeit konnten wir natürlich keinen genauen Eindruck von der Stadt bekommen, aber was uns während der 90-minütigen Bustour klar wurde, war, dass Lissabon eine beeindruckende Stadt ist, zu dieser Jahreszeit erstaunlich leer, auf jeden Fall aber eine weitere Reise wert.

Am nächsten Morgen fielen wir mit 17 Personen und Gepäck in einer Frühstücksbar ein. Die Besitzerin war hoch erfreut, so viele Besucher um 7.30 Uhr hatte sie wohl noch nicht gehabt.

Um 8.15 Uhr stand dann der Bus unserer spanischen Gastgeber zum Transfer nach Puebla de la Calzada bereit. Am Bus trafen wir zum ersten Mal die englische Austauschgruppe aus Peterborough, die am Vorabend verspätet erst um 19.00 Uhr in Lissabon eingetroffen war. Die widrigen Wetterbedingungen hatten den Flug von London erheblich verzögert.

Langsam und zuerst zurückhaltend wurden im Bus erste Kontakte hergestellt.

Tag 1 in Puebla, an der Schule unserer spanischen Gastgeber.


Die Projektarbeit begann unmittelbar im Theater der Schule. Die Gruppen wurden bewusst gemischt zusammengesetzt. Spanische, englische und deutsche Schülerinnen und Schüler mit der englischen Sprache als Kommunikationsbasis begannen mit der Recherche über die spanischen „local heroes“.

Mit jeder Stunde gelang die Kommunikation der Schüler besser.

Am Abend checkten wir dann in unserem Hotel im Nachbarort Montíjo ein. Es war ein neues Hotel, in Teilen noch nicht ganz fertiggestellt (Außenanlagen). Die Zimmer waren geräumig und gut ausgestattet.

Die nächsten Tage (Di Mi, Do) waren geprägt von Besichtigungen in Merida und Cáceres, dem Besuch einer Sportanlage und einer landesweit bekannten Behinderteneinrichtung. Ein ganzer Tag war dem Besuch der Städte Merida und Cáceres gewidmet.

Merida ist in weiten Teilen römischen Ursprungs. Wir besuchten die Ausgrabungen eines römischen Theaters und einer Arena, erbaut und veranlasst vom römischen Feldherrn, Politiker und Freund des Augustus Marcus Agrippa in der 2. Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts. Marcus Agrippa war wegen seiner Bedeutung für die Region einer der 5 „local heroes“.

Wir besuchten ein angrenzendes Museum (mit dem Funden der Ausgrabung) und die Ausgrabungen einer römischen Villa, die viele an Xanten erinnerte.

Am Nachmittag fuhren wir nach Cáceres. Die Stadt steht in weiten Teilen auf römischen Fundamenten. Sichtbar ist heute eine gut erhaltene und geschlossene mittelalterliche Altstadt, die aus diesem Grunde auch als Nebendrehort für die Serie „Game of Thrones“ diente.

Ein weiterer „local hero“ war Javier Cienfuegos, ein aus Puebla stammender, international erfolgreicher Hammerwerfer. Er nahm für Spanien an den beiden letzten olympischen Spielen teil. Bei unserem Besuch des Trainingsgeländes hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, den Sportler persönlich kennenzulernen und ihn zu interviewen.

Alle Eindrücke und Ergebnisse konnten so unmittelbar in die Projektarbeit einfließen.

Ein weiterer Besuch in unmittelbarer Nähe der Schule führte uns zu der Behinderteneinrichtung Plena Inclusion, Extramadura. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich hier vor Ort über die Arbeit, Projekte und Ziele der Einrichtung informieren.

Die Schülergruppe wurde sehr herzlich empfangen. Man spürte die Dankbarkeit der dort arbeitenden Menschen für unser ehrliches Interesse an ihrer Einrichtung und unserer Bewunderung ihrer Leistungen. Ein Projekt war zum Beispiel ein Comic, der selbst entworfen wurde und für die Sache von „Plena Inclusion“ wirbt.

Am letzten Tag (Do) wurde wieder intensiv Projektarbeit gemacht. Für den späten Nachmittag hatte unser spanisches Team Gäste eingeladen, um die Abschlusspräsentation der Projektergebnisse in Form einer Ausstellung über „ihre“ lokalen Helden anzusehen und zu bewundern.

So gab es ein Wiedersehen mit einigen Mitarbeitern von „Plena Inclusion“, die zahlreich erschienen waren und sich auf vielen Photos wiederentdecken konnten. Außerdem kam der Bürgermeister sowie Vertreter der Verwaltung und interessierte Mitglieder der Schulgemeinde.

Am Freitag holte uns der Bus früh um 8.00 Uhr am Hotel ab. Nach Lissabon Airport standen uns noch 3 ½ Stunden Busfahrt bevor.

Der Rückflug war angenehm und völlig problemlos; Sabine hatte sich verzogen. So sollte eigentlich auch die Rückfahrt nach Mönchengladbach sein. Leider war in Rommerskirchen die Reise zu Ende. In Höhe Grevenbroich war es zu Vorkommnissen im Gleisbereich gekommen, so dass eine Weiterfahrt unmöglich war.

Herzlichen Dank an die Eltern, die ihre Kinder am späten Freitag Abend am Bahnhof Rommerskirchen abgeholt haben – leider ein nicht so angenehmer Abschluss einer im Ganzen sehr erfolgreichen Fahrt. Die Schülerinnen und Schüler haben intensive interkulturelle Erfahrungen gemacht, ihre englischen Sprachkenntnisse trainieren und erweitern und neue Freundschaften schließen können.

Erasmus Plus – ein vollfinanziertes Programm der EU für Schulen. Wir durften auf diesem Wege erfahren, wie sinnvoll und überaus lohnenswert Fördergelder der EU eingesetzt werden können.

Ob es ein Nachfolgeprojekt und damit die 3. Auflage von Erasmus Plus am AMG geben kann, wird in den kommenden Wochen zu entscheiden sein.

Schülerinnen und Schüler und die begleitenden Lehrpersonen blicken auf eine tolle Woche zurück.

[R. Müdders]

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Schülerbericht von Lilo, Fiona, Lilly (Stufe 9)

Müssten wir das Erasmus+ Projekt mit drei Worten beschreiben, wären das wahrscheinlich die Worte „Erfahrungen, Kultur und Freundschaft“.

Vor Beginn des Projekts sind wir mit Frau Reiners und Herrn Müdders nach Lissabon geflogen. Für einige war es das erste Mal in Portugal und wir haben festgestellt, dass es eine wirklich schöne Stadt ist. Auf einem Markt konnten wir die traditionell portugiesischen „Pastel de Nata“ probieren (kleine Puddingteilchen) und dieser Markt war auch der Startpunkt einer Stadtrundfahrt. Nach der Tour war es bereits dunkel und wir sind noch gemeinsam Essen gegangen.

Am Montag sind wir mit dem Bus nach Spanien gefahren. Dort gab es dann das große Wiedersehen mit den englischen und spanischen Schülern und wir haben uns besonders gefreut, bekannte Gesichter wieder zu sehen.

Anschließend wurde uns die Schule gezeigt, die sich in ihrem Aufbau sehr vom AMG unterschied. Nach einer Vorstellung der local heroes, für die zwei Hilfsorganisationen, der Schulpatron, ein römischer Politiker und ein olympischer Hammerwerfer ausgewählt worden waren, wurden wir in Gruppen eingeteilt.

Über die nächsten vier Tage haben wir intensiv an Plakaten und Präsentationen über die lokalen Helden gearbeitet. Wir drei wurden glücklicherweise von einer Lehrerin angesprochen und durften dabei helfen, die Schulmauern malerisch umzugestalten.

Mittwochs sind wir außerdem in die Provinzhauptstadt Caceres gefahren und haben dort die Spuren cf er Rom er besucht. Am Donnerstag war Ieider schon unser letzter Tag in Spanien, an dem die Plakate fertiggestellt wurden und wir die Aula der Schule vorbereitet haben. Diejenigen, die damit früher fertig waren, haben ein Kickerturnier veranstaltet, was sehr witzig war und es sind überraschende Siege zustande gekommen. Sozusagen als Abschiedsdinner haben einige spanische Eltern uns ein typisch spanisches Essen zubereitet. Es gab unter anderem Tortillas, Blätterteig mit Schinken und viele sehr leckere Nachtische.

Zur Präsentation sind mehrere Gäste eingeladen worden, haben sich unsere Ausstellung angeguckt und Fragen gestellt. Als der Abschied näher rückte, wurde auf der Aulabühne Musik angemacht, gelacht, getanzt und letzte Abschiedsfotos gemacht. Es sind auch einige Tränen geflossen und uns dreien ist es besonders schwer gefallen, uns von einigen spanischen Schülerinnen zu verabschieden, die uns vorher noch ein Abschiedsgeschenk gemacht hatten.

Im Hotel konnten wir uns abends mit den Engländern noch über viele schöne Erinnerungen austauschen.

Für uns alle war das Erasmus+ Projekt eine neue Erfahrung, aber es hat sich definitiv gelohnt. Auch wir Deutschen konnten uns untereinander besser kennenlernen, sind offener anderen gegenüber geworden und vor allem haben wir neue Freundschaften geknüpft.