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Erfolgreicher Auftritt beim Vorlesewettbewerb in Viersen

Erhöhter Herzschlag, blasses Gesicht, zitternde Beine… für manch einen Erwachsenen wäre es schon schwer genug, wenn man umringt von zwanzig Konkurrenten wie auf einem Zeugenstuhl vor neun Erwachsenen, darunter fünf Jurymitgliedern, etwas vorlesen müsste. Wie muss das erst für einen Sechstklässler sein, der fast alle Mitstreiter vor sich lesen hört und seinem großen Moment entgegenfiebert?

Diese Erfahrung hat Sebastian Schultz aus der Klasse 6d nun gemacht. Beim Vorlesewettbewerb hatte er sich bereits im November gegen alle Kinder aus seiner eigenen Klasse durchgesetzt und am Nikolaustag auch noch gegen die Klassensieger der Parallelklassen gewonnen. Deshalb ist Sebastian als unser Schulsieger eingeladen worden, gegen alle anderen zwanzig Schulsieger des Kreis Viersen im Forum anzutreten. Die Kinder wurden dazu in zwei Gruppen geteilt – eine orange Gruppe mit den südwestlichen Kreisschulen und eine blaue Gruppe mit den nordöstlichen. Die Regeln sind einfach: Alle Kinder sollen in der ersten Runde einen vorbereiteten Ausschnitt aus einem selbstgewählten Roman in 3 Minuten vorlesen. Nur die besten drei Kinder aus jeder Gruppe kommen anschließend in die engere Auswahl der zweiten Runde und lesen noch einen ebenso langen Fremdtext vor. Nur wer jetzt aus jeder Gruppe Erster wird, darf an dem Vorlesewettbewerb auf Bezirksebene teilnehmen.

Betonung, Lesetempo, Lesefluss, Interpretation, Textgestaltung, Tonlage, Textauswahl und -verständlichkeit – diese und viele weitere Kriterien sollen die jungen Vorleser erfüllen. Da kann man schon einmal nervös werden. Trotz der hohen Anforderungen, die den Kindern präsentiert werden, versucht Landrat Dr. Coenen diese zu beruhigen: Ihm mache der Vorlesewettbewerb deutlich mehr Spaß als manch Kreissaalsitzung und im Fokus solle stehen, dass das Lesen doch eine wunderbare Sache sei, die zu uns Menschen dazugehöre. Die Lust am Lesen solle man sich ein Leben lang beibehalten und um diese Lust würde es auch nun im Wettbewerb gehen.

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So lesen nach diesen Worten achtzehn Kinder vor, bevor Sebastian dran ist und auch in die Mitte des Plenums gehen muss. Souverän stellt er kurz seinen Roman, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ von Joanne K. Rowling, vor und führt in die ausgewählte Stelle ein, als Harry und Ron das erste Mal bei Professor Trelawney das Unterrichtsfach Wahrsagen besuchen. Perfekt betont in langsamem Sprechtempo mit ausdrucksstarker Stimme liest Sebastian die lustige Textstelle vor, sodass jede Pointe sitzt. Eine Botschaft lässt er die schrullige Professorin auch noch direkt vermitteln: „Erweitert euren Horizont, meine Lieben, und erlaubt eurem Geist über den schnöden Alltag hinauszusehen.“ Das machen alle Zuhörer auf jeden Fall, während sie Sebastian zuhören, dem es gelingt, beim Hörer die Lust am Lesen zu wecken und einen für die Geschichte zu fesseln. Dann sind die drei Minuten auch schon herum – geschafft. Sebastian atmet sichtbar erleichtert auf und geht zurück zu seinem Platz. Ein vorsichtiger Blick zu seiner Mutter, die ihm ermutigend zunickt – das war eine hervorragende Leistung. Jetzt muss Sebastian nur noch abwarten, bis die restlichen zwei Kinder auch noch vorgelesen haben und die Jury die Entscheidung der erste Runde verkündet hat und tatsächlich: Sebastian hat es für die orange Gruppe in die zweite Runde des Viersener Vorlesewettbewerbs geschafft. Gemeinsam mit zwei weiteren Kindern der gleichen Gruppe sowie drei Kindern der blauen Gruppe darf er der Jury noch einen Fremdtext vorlesen. Dafür hat die Jury den Roman „Extrem gefährlich – Maus mit Mission“ von Mario Fesler ausgewählt. Alle sechs Kinder lesen nacheinander auch ein Stück dieses Romans vor, bevor die Jury zu einem Urteil kommt: Ganz gereicht hat es nicht, denn alle Kinder waren wirklich sehr stark. Doch Sebastian holt für das AMG den zweiten Platz und kann somit sehr stolz auf sich sein. Am Ende gibt es eine große Geschenktüte mit einem Puzzle, einem Buch, einem Geschenkgutschein einer Buchhandlung sowie Lego – da hat sich das viele Üben doch rundum gelohnt.

[Ch. Bovenkamp]

Bericht der Rheinischen Post zum Vorlesewettbewerb (19.2.2020): 21 Sechsklässler lesen vor