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Mitten rein in den neuen Schulleiter-Job

Ursula Deggerich leitet seit August das AMG in Dülken. Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten, hat sie nicht — dafür sorgt die Corona-Pandemie.

Von Nadine Fischer

Die Pausenglocke ist kaum verstummt, da stehen auch schon die ersten Schüler draußen vor den Fenstern, die zu Ursula Deggerichs Büro im Erdgeschoss gehören. Ein paar Mädchen und Jungen der Mittelstufe packen Schulbrote aus, essen, andere unterhalten sich einfach – und manche winken Ursula Deggerich zu. „Mittags wird auch schon mal an die Scheiben geklopft“, sagt die neue Leiterin des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) in Dülken. Das ist etwas, das der ehemaligen Schulrätin an ihrem neuen Posten besonders gut gefällt: „Man ist wieder sehr nah dran an den jungen Menschen.“ Nah dran, ja. Aber Corona-bedingt dennoch mit Abstand.

Seit dem 1. August ist Deggerich neue Leiterin des AMG. Sie folgte auf Thomas Kamphausen, der eine neue Stelle als Qualitätsprüfer für die Bischöflichen Schulen im Bistum Aachen und im Bistum Köln antrat. Die 56-Jährige kommt aus Rheine, sie hat in Münster katholische Theologie und Sozialwissenschaften studiert. Danach war sie rund sechs Jahre lang Lehrerin im Ersatzschuldienst am St.-Bernhard-Gymnasium in Willich, arbeitete später 21 Jahre lang im Dezernat Schule und Hochschule im Bischöflichen Generalvikariat Essen. Zuletzt war sie zwei Jahre lang Schulrätin in der Abteilung Erziehung und Schule im Generalvikariat Aachen. Dabei gehörte es vor allem zu ihren Aufgaben, die Personalplanung und Schulentwicklung zu begleiten.  Auch für das AMG war sie mit zuständig. Ihr Vorgesetzter habe sie zuletzt angesprochen und gefragt, ob sie die Stelle am AMG annehmen wolle, sagt Deggerich. „Da ich die Schule ja kannte, dachte ich: Ja, die Herausforderung nehme ich gerne an.“

Also leitet sie jetzt erstmals eine große Ganztagsschule, mit 926  Schülern, 72 Lehrern, acht Referendaren und einer langen Tradition – in Zeiten der Corona-Pandemie. „Ich hatte gehofft, dass ich so langsam in alles rein wachsen kann. Aber es ging von Anfang an darum, Entscheidungen zu treffen“, sagt Deggerich. Natürlich sei sie in einem bestehenden System angekommen, betont sie. Das müsse nun aber wegen der Corona-Pandemie anders gestaltet werden: Wie wird ausgeglichen, dass Kollegen ausfallen, weil sie Risikogruppen angehören? Wie wird das Mittagessen in der Mensa organisiert, sodass Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden? Wie werden die Pausenzeiten organisiert?

Deggerich und ihr Kollegium mussten schnell viele Lösungen finden. So würden etwa Lehrer durch Mehrarbeit den Ausfall von Kollegen ausgleichen – „wir haben eine starke Solidargemeinschaft, das ist eine schöne Erfahrung“, betont die Schulleiterin. „Uns ist es wichtig, die ganzheitliche Entwicklung der Schüler in den Fokus der Entscheidungen zu stellen“, ergänzt sie. Die Corona-Pandemie, diese Erfahrung, stärke zwar vermutlich das Gemeinschaftsgefühl: „Aber wir müssen auch aufpassen, dass das nicht der psychischen Entwicklung der Schüler schadet.“

Ein Thema, das die neue Schulleiterin besonders in den Blick nimmt, ist die Digitalisierung. Das habe sie sowieso vorgehabt, erzählt sie, „Corona hat das Ganze natürlich verschärft“. So stehen zum Beispiel Fortbildungen an, damit die Lehrer Lernsoftware und Apps effektiv nutzen können. Ihr sei aber auch die spirituelle Entwicklung der Schüler wichtig, sagt Deggerich, die das AMG nicht nur leitet, sondern auch Religion und  Sozialwissenschaften unterrichtet. Ihr Anspruch: „Ich möchte den Schülern vermitteln, dass sie es in der Hand haben, in welche Richtung sich Gesellschaft und Kirche entwickeln.“

Infos zu Frau Deggerich

Privat Ursula Deggerich ist in Rheine geboren, mittlerweile lebt die 56-Jährige in Krefeld. Sie ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Arbeit Deggerichs Arbeitstag beginnt in der Regel um 7 Uhr und endet zu verschiedenen Zeiten – je nachdem, ob abends zum Beispiel noch eine Schulkonferenz oder eine Elternpflegschaft anstehen.

Hobbys „Ich lese gerne“, sagt Deggerich, etwa Romane niederländischer und amerikanischer Autoren. Zusammen mit ihrem Mann reist sie außerdem gerne nach Italien und Frankreich. So waren sie zum Beispiel in diesem Jahr im Burgund.

Quelle: Rheinische Post vom 6.10.2020 (Online-Ausgabe)