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Schülerin begleitet Sterbende bis zum Tod

Die 16-jährige Tharnika Rameshkumar betreut Senioren in ihrer letzten Lebensphase. Für sie ist diese Aufgabe eine Ehre.

In ihrer Freizeit trainiert Tharnika Rameshkumar junge Schwimmer bei der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die 16-Jährige läuft außerdem gerne, am liebsten über die Mittelstreckendistanz, bevorzugt fünf Kilometer weit. Schwimmbad, Turnhalle, Sportplatz: Das sind Orte, an denen sich viele Jugendliche nach der Schule gewöhnlich freiwillig mal aufhalten. Aber auf der Palliativstation eines Krankenhauses? Oder in einem Hospiz? Tharnika zumindest verbringt dort gerne ihre Freizeit. Seit zwei Jahren engagiert sich die Schülerin des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken als Sterbebegleiterin. „Man versucht doch, das Leben bis zum letzten Moment zu genießen“, sagt sie. Für die Jugendliche ist es eine Ehre, dazu beizutragen, dass Sterbende noch möglichst viele schöne Momente erleben.

Als Tharnika 14 Jahre alt war, machte sie ein zweiwöchiges Schulpraktikum im Krankenhaus in Nettetal. „Ich hatte schon viel früher immer gesagt, dass ich mal Ärztin werden möchte“, erzählt die Brüggenerin. Das Praktikum sollte der erste Schritt in diese Richtung sein. Sie interessiert sich für Medizin, die Anatomie des Menschen und Diagnostik. „Ich weiß auch nicht warum“, sagt Tharnika. „Wenn eine Freundin Bauchschmerzen hat, frage ich gleich: Was hast du wann gegessen? Was hast du gestern gemacht?“

Als Praktikantin sei sie auf der chirurgischen Station gewesen, erzählt sie. Die Schülerin teilte zum Beispiel Essen und Handtücher an Patienten aus, „Zimmerpflege nennt man das“. Krankenschwestern fragten Tharnika, ob sie sich vorstellen könnte nach dem Praktikum Freiwilligendienst zu leisten. Sie sagte: „Ja, ok.“ Seitdem hilft sie ehrenamtlich auf der chirurgischen Station und der Palliativstation aus. Darüber hinaus ließ sich Tharnika über das Zentrum für ambulante Palliativversorgung und Hospizarbeit (ZAPUH) in Brüggen als 14-Jährige zur Sterbebegleiterin ausbilden. Im Krankenhaus sei sie meist am Wochenende für etwa sechs Stunden, berichtet sie. „Mittlerweile darf ich viel mehr Aufgaben übernehmen, weil man mich da kennt und mir vertraut.“ Tharnika teilt Medikamente aus, reicht Patienten Essen an, bringt Blut- und Stuhlproben ins Labor. Manchmal verbringt sie auch einfach im hektischen Krankenhausalltag eine Stunde bei einem Patienten im Zimmer, der Zuwendung braucht.

Info

Offen, fröhlich und freundlich

Tharnika Rameshkumar besucht die zehnte Klasse des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Der Zonta-Club Viersen hat Tharnika 2019 mit dem zweiten Platz im Wettbewerb „Young Women in Public-Affairs“ ausgezeichnet. Ihre Lehrerin Angelika Schmidt-Günther hatte sie vorgeschlagen. „Tharnika ist offen, fröhlich, freundlich und zugewandt. Was sie leistet, ist beeindruckend“, sagt sie.

Text: Nadine Fischer, Foto: Jörg Knappe

Quelle: Rheinische Post vom 27. Juni 2019

Informationen zur Preisverleihung des Zonta-Clubs: Der Young Women in Public-Affairs Award 2019