Die 7c setzte sich zuletzt im Religionsunterricht mit dem Thema „Klöster“ auseinander. Zum Abschluss besuchte kurz vor den Osterferien sogar eine Ordensschwester die Klasse. Diese ist 65 Jahre jung, heißt Antonia und kommt aus dem Steyler Kloster. Dort arbeitet sie als Servicekraft im Besucherbereich. Unter anderem wird das Kloster auch als Altenheim und Jugendzentrum genutzt. Man kann das Kloster besuchen und sogar dort übernachten, es liegt nicht weit entfernt an der niederländischen Grenze.
Schwester Antonia trug ganz normale Kleidung und erzählte lebhaft von ihrem Leben und ihren Erfahrungen. Wir durften unsere Fragen stellen und konnten aus dem Gespräch mit ihr viel mitnehmen.
Zuerst berichtete die Schwester, wie wichtig ihr Jesus und die Botschaft Jesu sei. Sie erzählte, dass sie sich immer bemüht, die Menschen zu unterstützen. So lebte sie fünf Jahre lang in Papua-Neuguinea, wo sie Pidgin sprach und mit ihrem Können Einheimischen half. Auch in Ulm lebte sie einige Jahre, wo sie ausländische Studierenden half, Kontakte zu knüpfen und bürokratische Angelegenheiten zu regeln. Dort legte sie ihre Nonnenkleidung ab, weil sie merkte, dass sie deswegen anders behandelt wurde und weniger zur Gruppe der Studierenden gehörte. Seitdem zog sie sich immer Kleidung an, die ihr gefiel. Das ist in ihrem Orden möglich, in dem sich die Schwestern (und Brüder im Nachbargebäude) alles teilen: Autos oder Geld zum Beispiel.
Die einzigen Momente im Leben, in denen Schwester Antonia zweifelt, sind die Momente, wo sie sich fragt, ob sie jemanden hätte freundlicher behandeln können oder ob sie jemandem hätte helfen können und es nicht getan hat. Sie verbreitet Freude und ein wohliges Gefühl: Das ist die Botschaft und der Auftrag Jesu für sie.
Als Schwester Antonia klein war, haben die Erwachsenen ihr beigebracht, dass Gott jedes „Vergehen“ sehe und bestrafen würde. Diesen Gott mochte Antonia nicht. Und trotzdem ging sie in eine Ordensgemeinschaft, weil sie mit der Zeit ein anderes Bild von Gott hatte: Ein Gott, der das Gute für den Menschen möchte.
Der Steyler Orden hat ein Buch herausgebracht, es heißt „100 Tage in den Kellern von Steyl“. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs versteckte die Steyler Ordensgemeinschaft nämlich Kinder und Frauen aus den Niederlanden 100 Tage lang in ihren Kellern vor den Nationalsozialisten. Die Ordensleute handelten, wie Gott es sich gewünscht hätte – für den Menschen.
Dann berichtete Antonia uns, wie sie ins Kloster gekommen ist. Sie ist mit Anfang 20 ins Kloster eingetreten. Vorher hatte sie einen festen Freund, jedoch bemerkten beide nach einer Zeit, dass sie sich auseinander gelebt haben und nicht zusammenpassten. Antonia machte dann erst eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin, um für die Zukunft vorbereitet zu sein und verliebte sich dann noch einmal in einen Fußballer. Auch mit ihm blieb sie nicht zusammen und merkte, dass sie womöglich einen anderen Lebensweg einschlagen wollte. Ihre vier älteren Geschwister waren alle schon verheiratet und einige hatten schon Kinder.
Nach der abgeschlossenen Ausbildung arbeitete sie an einer Realschule, wo sie auf viele Ordensschwestern traf, die an der Schule unterrichteten. Sie fand diese Lebensweise interessant und fühlte sich dazu hingezogen, also machte sie sich auf die Suche nach einem passenden Orden. Mit 24 Jahren trat sie den Steyler Missionsschwestern bei. Ihre Familie hielt zu ihr, auch wenn der Bruder sagte, dass sie verrückt sei, sich einsperren zu lassen.
Sie berichtete auch über ihren Alltag im Kloster. Dieser beginnt früh morgens. Als allererstes dreht sie in dem Gästebereich die Heizungen auf. Danach trinkt Sie einen Kaffee und bereitet das Frühstück für die Gäste vor. Dann geht sie in die Kapelle, um ihren Kopf frei von Gedanken zu bekommen. Nach ihrem Arbeitstag geht sie um 21 Uhr wieder in die Kapelle, um über die schönen Situationen ihres langen Tages nachzudenken und zu überlegen, wie sie diese vermehren könne. Sie denkt dann auch über die schweren Situationen des Tages nach und darüber, wie sie diese verringern könne.
Am Ende des Besuchs überreichten wir uns gegenseitig Geschenke. Wir bedankten uns mit einer Karte und Pralinen bei Antonia für ihren Besuch und sie schenkte uns selbst gesammelte Blumensamen und Postkarten, die bedeuten sollten: Bringt Freude und Freundlichkeit in die Welt!
Danke Schwester Antonia!
Kopffoto: (c) Steyler Missionarinnen
