Viersen-Dülken · Im Flip-Bus lernen Schülerinnen und Schüler, was Zinsen sind, wie der Markt funktioniert und wie sie Geld sparen können. Das Wissen soll ihnen im späteren Berufsleben helfen.
Von Viktoria Pehlke
Schüler der neunten Klasse des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken hatten jetzt die Chance, sich auf ihrem Schulhof in Sache Finanzen weiterzubilden. Dort kam der Flip-Bus vorgefahren: Dahinter verbirgt sich ein interaktives Lern-Angebot des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, in dem Kinder und Jugendliche sich spielerisch dem Thema Geld und Finanzen nähern. Das Innere des Busses erinnert auf den ersten Blick an ein Raumschiff. Es ist dunkel ausgekleidet, in Nischen sind Sitzbänke mit Tischen eingebaut. Per Berührung leuchtet auf dem Tisch ein Bildschirm auf, dann kann das Spiel gestartet werden.
Das Angebot richtete sich an diesem Tag an Schüler zwischen zehn und 15 Jahren. In einem anderen Spielmodus könnten auch ältere Schüler den Bus nutzen. Sie lernen, was Zinsen sind, wie der Markt funktioniert und wie man Geld anlegt und spart. Aber auch andere Bereiche werden abgedeckt. Jugendliche können sich erkundigen, welcher Beruf zu ihnen passt oder die Lieferketten des Smartphones nachverfolgen, das sie täglich mit sich herumtragen.
„Vieles habe ich schon gewusst, aber es war gut, das Wissen zu vertiefen“, sagt der 14-jährige Casper nachdem er die sieben Stationen durchlaufen hat. 100 Minuten lang wechselt eine Schulklasse durch die unterschiedlichen Spiele. Auch sein Mitschüler Jan kannte sich schon vor dem Flip-Bus gut mit Finanzen aus. Er sagt, er lerne viel durch seinen Vater. Die außergewöhnliche Unterrichtsstunde sei trotzdem eine gute Auffrischung gewesen.
Für Schülerinnen ging es um Nachhaltigkeit und Berufsorientierung
Anders geht es den Schülerinnen Evelyn, Ines, Mia, Lotta und Madita. Für sie war vieles, was sie im Bus gelernt haben, neues Wissen. Die Gruppe Mädchen berichtet von den klimafreundlichen Smartphones und dem Produktionszyklus von Jeans, über die sie im Bus etwas gelernt haben. „Man sieht ein Produkt aus anderen Augen, wenn man hört, wie viel ein Mensch am anderen Ende der Welt daran gearbeitet hat“, sagt eine Schülerin.
Auch über Budgets hätten sie dazugelernt, sind sie sich einig. In den Spielen sei immer ein begrenztes Budget vorgegeben gewesen, mit dem sie haushalten mussten. Außerdem wurden sie darüber aufgeklärt, wie viel Menschen in Deutschland durchschnittlich für Miete ausgeben. Um Miete zu sparen, könnten sie länger bei ihren Familien wohnen oder in Wohngemeinschaften ziehen, wissen sie nun.
Im Februar steht ein Berufspraktikum an
Außerdem habe es ihnen gefallen, über berufliche Perspektiven nachzudenken. Im kommenden Februar steht für die Neuntklässler ein Pflichtpraktikum an. Die Frage, welchem Beruf sie einmal nachgehen wollen, schwirrt also ohnehin in ihren Köpfen umher.
In der neunten Jahrgangsstufe können Jugendliche das Fach Wirtschaft und Politik anwählen. Im Unterricht besprechen sie Wirtschaftssysteme und ihre politischen Dimensionen. Markus Zellkes betreut die Fachschaft Sozialwissenschaften und hat die Kooperation mit dem Flip-Bus in die Wege geleitet. „Manche Sachen können wir im Unterricht nicht vermitteln. Viele Schüler haben heute überraschende Erkenntnisse gehabt“, sagt der Lehrer. Die Rückmeldungen der ersten Klassen seien sehr positiv ausgefallen.
Schüler lernen im Bus, was sie im Unterricht nicht behandeln
Auch die Schulleiterin Ursula Deggerich sieht sich den Bus am Vormittag an und probiert sich selbst an den interaktiven Stationen. Die Aufgabe der Schule sei es, Schülern grundlegende Kompetenzen beizubringen: Sie sollen lernen, wie sie sich selbst Wissen aneignen, um sich im späteren Leben zurechtzufinden. „Gleichzeitig ist es wichtig, dass Schüler nicht nur die Kompetenzen lernen, die sie im Unterricht behandeln“, sagt Deggerich.
An diesem Punkt knüpfen die Sparkassen an, die es als Teil ihres Auftrags sehen, Schüler finanziell zu bilden. „Je besser man mit finanziellem Wissen ausgestattet ist, desto weiter kommt man im Berufsleben“, sagt Volker Schramm vom Vorstand der Sparkasse Krefeld. Ein Handwerker könne handwerklich noch so gut sein – am Ende müsse er seinen Lohn richtig kalkulieren und eine Rechnung schreiben, um von seinem Beruf zu leben.
(vp oli)
